Erfahrungsbericht 1 – Vorurteile gegenueber Gastfreundlichkeit

1. Juli 2012, 7 Kommentare

Nun haben wir schon einige Reiseberichte geschrieben und es haben uns auch schon einige Feedbacks erreicht. Wir freuen uns immer darueber, wenn uns Emails oder Kommentare erreichen. Es ist viel Arbeit die Berichte zu schreiben und es ist schøn dafuer durch Rueckmeldungen von euch belohnt zu werden.

Nun møchten wir im Folgenden nicht das beschreiben, was wir erlebt haben und es mit tollen Bildern spicken, sondern gerne eine Diskussion ueber Vorurteile gegenueber verschiedenen Nationen/Regionen anregen:

Wir sind auf unserer Reise sehr stark auf die Gastfreundlichkeit anderer Menschen angewiesen, weil wir uns sonst eine solche Reise nicht leisten kønnten. Diese Gastfreundschaft schlægt uns ueberall entgegen und låsst uns tolle Dinge erleben: Es war einfach super wie uns die beiden fremden Fahrer Richtung Hannover mitnahmen. In Dænemark wurden wir von einem Taubstummen gefahren, der uns etwas zu Essen anbot und uns sein Handy mit mobilem Internet zur Verfuegung stellte. In Norddænemark haben wir bei einem alten Ehepaar uebernachtet, das unsere Sprache gar nicht verstand, uns aber trotzdem in ihrem schønen Garten schliefen liessen. Norwegen wurden wir von Lasse und Sigrun wundervoll aufgenommen und fanden auch wenige Tage spåter eine tolle Unterkunft bei einem Norweger und einer Høllånderin in Voss. Nun haben wir einen netten Gastgeber in Oslo und werden sicherlich åhnliche Erfahrungen in anderen Låndern machen. Johan hatte solche Erlebnisse schon in England, Wales, Belgien und in Deutschland. Natuerlich sagen auch manche Menschen, dass wir nicht in ihrem Garten uebernachten kønnen. Aber es finden sich doch immer wieder nette Menschen, die uns aufnehmen.

Mir (Johan) wurde letztens gesagt, dass wir viel Glueck håtten mit den Leuten, die wir in Norwegen treffen, weil eigentlich die Norweger eher reserviert sind. Bevor wir zum ersten Mal gemeinsam in Rosenheim waren (wohin wir nach der Reise gerne ziehen wollen) wurde uns gesagt, dass es sehr schwierig sei, in Bayern jemanden kennenzulernen und dass die Bayern gerne unter sich bleiben. An unserem ersten Tag in Rosenheim wurde uns von einer wildfremden Bayerin in einem Park ein Glass Prosseco angeboten.

Wir glauben, dass man oft mit Vorurteilen die Gastfreundschaft verschiedener Nationalitæten bewertet. Bisher gab es noch keine Region, die wir bereist haben (und es waren nicht die, von denen man eigentlich sagt, sie seien sehr aufgeschlossen gegenueber Fremden wie die suedlichen Lånder Europas), in der wir uns besonders allein gefuehlt haben und wo wir nicht gut aufgenommen wurden. Wir glauben, dass es kein Zufall sein kann, sondern eher die Art, wie man auf Leute zu geht.

Was sagt ihr dazu?

(Der neueste Kommentar ist immer der letzte)

 

7 Antworten zu “Erfahrungsbericht 1 – Vorurteile gegenueber Gastfreundlichkeit”

  1. Sven Colin sagt:

    So sehe ich das ähnlich. Ich war mal in Schottland unterwegs, allerdings nicht trampend, und da habe ich auch sehr große Gastfreundschaftlichkeit erlebt. Gleiches auch in den Niederlanden, wo man einfach zu einem nach Hause eingeladen wird. Weiteres in Belgien…die Menschen sind, wenn man Ihnen aufgeschlossen und mit Respekt begegnet, wirklich ebenfalls respektvoll und aufgeschlossen.

    Also, weiter gute Reise!

  2. Schickser sagt:

    Würde ich auch sagen… Wie man einem Menschen begegnet, so kommt es aus auch zurück… Zumindest überwiegend. Und es liegt auch irgendwie am Wesen, also kommt ihr scheinbar bisher immer recht positiv rüber… 😉 Auch was das Trampen angeht, bin ich doch ein wenig überrascht wie gut das klappen kann. Hätte da mehr Skepsis auf beiden Seiten erwartet. Aber so kann man ja doch noch hoffen was die Menschheit angeht… 😛 Und generell zeigt das ja alles, dass man nicht zu viel allein auf die öffentlich geprägte Meinung über andere „Völker“ geben sollte…

  3. Martiin sagt:

    Ich finde, dass man bei der Gastfreundlichkeit zum Einen zwischen Trampen und in einem Haus oder Garten aufgenommen zu werden unterscheiden sollte und es zum Anderen auch viel damit zu tun hat in welcher Umgebung man sich aufhält.

    Als erstmal zum Trampen (ich hab keine Erfahrung damit, nehm mir aber trotzdem raus darüber zu sprechen :)):
    Ist es nicht offensichtlich so, dass beim Trampen genau die Leute weiterfahren, die nicht gastfreundlich (im Sinne von mitnahmefreundlich) sind? Sonst würden sie ja anhalten. Natürlich ist es beeindruckend, dass ihr Tage habt, an denen ihr beim 4. Auto schon mitgenommen wurdet. Aber auch die ersten 3 Autofahrer könnte man dann als gastunfreundlich abstempeln und bei all den anderen Tagen mit dem Wartedurchschnitt von 20 Minuten wird es ja auch mehrere Wagen geben, die ganz gastunfreundlich einfach weiterfahren. Worauf ich hinauswill ist, dass man wahrscheinlich beim Trampen die Freundlichkeit der Leute viel länger bei der ganzen Fahrt mit ihnen miterlebt, als die Gastunfreundlichkeit von mehreren verschiedenen Fahrern, wenn sie innerhalb von ein paar Sekunden bei euch vorbeifahren.
    Außerdem ist beim Trampen wahrscheinlich auch schwierig aufgeschlossen und respektvoll auf die Leute zuzugehen…

    Bei der Gastfreundlichkeit in den Häusern und bei der Aufnahme in den Gärten würde ich euch auch zustimmen und glaube auch, dass es viel damit zusammenhängt, wie eure äußere Erscheinung ist und ihr euch bei den Leuten vorstellt. Aber ich denke auch, dass es darauf ankommt, wo ihr euch gerade aufhaltet, weil man ja auf so einem Trip die meisten Menschen in einer eher offenen und freundlichen Atmosphäre antrifft (z.B. im Park oder generell in Innenstädten). Wenn man sich die richtigen Situationen aussucht ist es wahrscheinlich nicht schwierig die Gastfreundlichkeit von Menschen zu erfahren.

    • johananni sagt:

      Entschuldigung, dass wir jetzt erst antworten, aber wir haben uns zwischendurch einige Gedanken gemacht:

      Wir geben dir Recht, dass man beim Trampen tatsächlich schlecht auf die Leute zugehen kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es meistens auf die Leute selbst ankommt, die uns mitnehmen: ob sie selbst frueher getrampt sind, ob sie gerne helfen wollen, ob es ihnen einfach nichts ausmacht, jemanden mitzunehmen.
      Zu deinem Punkt, dass die Leute, die nicht anhalten als gastunfreundlich bezeichnet werden muessten: Man kann immer schlecht beurteilen, warum sie gerade nicht anhalten. Es kann auch Menschen geben, die tatsächlich nur eine Ausfahrt weiter fahren, was uns nichts bringt oder der Wagen ist voll beladen und wir passen nicht mehr hinein. Aber du hast Recht, es gibt auch viele die nicht anhalten, obwohl sie könnten.
      Unsere anfängliche Aussage möchte nur unterstreichen, dass man nicht unbedingt davon ausgehen muss, dass im Norden ueberhaupt niemand anhält. Wir waren selbst ueberrascht, wie gut es in weiten Teilen unserer Reise bei den vermeintlich zurueckhaltenden Skandinaviern funktioniert.

  4. Alex Rupprecht sagt:

    Hey ihr beiden,
    zunächst mal Respekt, was ihr bisher schon alles erlebt und gesehen habt. Echt geil!
    Zu eurem Thema Vorurteile: Ich glaube, dass es überall solche und solche Menschen gibt. Auch in Rosenheim gibt es sicher viele offene und nette Menschen, genauso wie es im vermeintlich so aufgeschlossenen „Pott“ oder Rheinland genügend Ignoranten und Idioten gibt.
    Den Menschen treiben dabei zwei Dinge um: Erstens eine angeborene Xenophbie: Alles was unbekannt und fremd ist, wird erst mal skeptisch bis ängstlich gesehen. Zweitens aber auch eine gewisse Neugierde und soziale Erziehung, geprägt durch Höflichkeit und Hilfsbereitschaft. Und es ist immer schön, wenn der zweite Part dominanter ist.
    Dies trifft in den meisten Fällen, auch im Ausland glaube ich zu. Nun kommt natürlich dazu, dass man euch zwei Strahlegesichtern auch kaum etwas abschlagen könnte, wenn ihr da so grinsend mit den Rucksäcken am Gartenzaun steht! 🙂
    Wünsche euch weiter viel Spaß und nette Bekanntschaften! Grüße aus der Heimat. Euer Alex

    • johananni sagt:

      Entschuldigung, dass wir dir jetzt erst antworten:

      Danke fuer deinen Hinweis, dass man die Beweggruende der Menschen genauer betrachten muss. Wir glauben auch, dass die Menschen, die uns aufgenommen haben zuerst einmal aus Hilfsbereitschaft gehandelt haben. Es war fuer uns aber auch schön zu sehen, dass wir ihnen sogar auch eine Freude bereitet haben. Zuletzt hatten wir in Västerås bei einem älteren Pärchen geschlafen, dass eine interessante Entwicklung durchmachte. Erst waren sie uns gegenueber sehr skeptisch und wir durften nur im Vorgarten zelten. Dann aber haben sie gemerkt, wie viel Freude Gastfreundschaft bringen kann und wir kamen mit ihnen zu interessanten Gesprächen und sie bereiteten uns ein tolles Fruestueck. Sogar unsere dreckige Wäsche wuschen sie fuer uns. Auch Lasse und Sigrun aus Fusa sagten uns, dass wir ihnen eine Freude bereitet haben.

      Mir (Johan) hat es ja auch immer Spass gemacht im Rahmen der WJ etwas Gutes zu tun, aber es hat mich immer enttäuscht, wenn dann kein Dankeschön kam. So haben wir uns fest vorgenommen, dass wir bei aller Gastfreundschaft Nichts als selbstverständlich ansehen duerfen. Auch wenn man sich schnell an tolle Fruehstuecke bei fremden Leuten gewöhnen kann, so muessen wir uns doch immer mit aller Höflichkeit bedanken. Und das werden wir auch machen!

  5. Anne sagt:

    Hey Ihr beiden Honeymoonler,
    da Ihr Eure Berichte und Erfahrungen ständig aktuell haltet und manchmal auch später noch mit Fotos vervollständigt, will ich ebenfalls noch ein paar Sätze zum Thema schreiben:

    Als ich Euren Erfahrungsbericht anfangs las, meinte ich folgenden Tenor herauszuhören: Nordländer gelten als reserviert, man muss mit Problemen bei der Gastfreundlichkeit rechnen, wir hatten aber keine Probleme – demnach lag es an UNS. Ich überlegte, ob diese „platte“ oder „arrogante“ Schlussfolgerung nur eine Fehlinterpretation meinerseits war oder vielleicht von Euch doch bewusst provokant gemeint war, um die Diskussion in Gang zu bringen.
    Inzwischen hat sich ja fast die Überlegung von selbst erledigt, da Ihr nun wirklich trotz sympathischem Erscheinen im Regen lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten musstet und auch nicht so einfach überall eine Schlafmöglichkeit bei Leuten fandet.
    Damit wären wir wieder am Anfang: es gibt überall solche und solche Menschen, für mich sehr verständlich reservierte Autofahrer, wahrscheinlich trotzdem coolere Nordmänner als hitzköpfige Südländer, Ausnahmen bestätigen die Vorurteilsregel und EUCH wird man sicher als DREAMTEAM schlecht was abschlagen können.
    Interessant wäre jetzt wirklich am Ende der Reise nochmal Revue passieren zu lassen, ob die Vorurteile im Großen und Ganzen völliger Quatsch waren.

    Ich wünsch Euch natürlich weiterhin nur gute und erfreuliche Erlebnisse und lauter nette Menschen auf dem Weg.
    (Ich hab mich schon von Euch anstecken lassen …)

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