Reisebericht Nr. 64 – 7. Etappe / Und dann kam der Künstler

16. April 2013, 1 Kommentar

Gestern flog die Wanderung an der Küste nur so vor sich hin…

https://maps.google.com/maps/ms?msa=0&msid=206027039443672110605.0004da6907728b90928d3

… und dann kam der Künstler!

Da wir uns ja zuvor mal wieder ein Hotelzimmer geleistet hatten, freuten wir uns morgens schon auf das Frühstücksbuffet. Wir wurden von einem Speiseraum überrascht, der stark an eine Jugendherberge erinnerte. Für ein Dreisternehotel gab das Buffet nicht allzu viel her. Alles war lieblos in Frischhaltefolie eingepackt. Trotzdem waren wir froh, dass wir am vorherigen Abend eine heiße Dusche hatten, Nanni endlich ihr Kleidung mal waschen konnte, wir am nächsten Morgen unser Zelt nicht einpacken mussten und schon den Bericht hochladen konnten. So mussten wir nicht lange nach einem Café mit Internet suchen, sondern nur Lebensmittel einkaufen, dann wanderten wir auch schon los.

Die Buchten, die wir uns erkraxelten, waren wieder wunderschön. Aber auch die An- und Abstiege (insgesamt ca. 650 m) waren ein Genuss für alle Sinne: Blumen, die in allen Farben blühten, Rosmarinduft, der einen bei jedem Windhauch umgab, und Saunafeeling beim Anstieg in praller Sonne.

Morgens waren wir froh gewesen, dem allzu touristischen Ort l’Estartit entkommen zu sein. Leider machte l’Escala mit seiner Strandpromenade keinen viel besseren Eindruck. So wanderten wir nach einigen Besorgungen weiter Richtung Norden, um uns für die Nacht wieder einen geeigneten Zeltplatz in einem Garten zu sichern.
Da wir bei Richard und Joanne ja sogar ins Haus aufgenommen wurden, gaben wir die Hoffnung nicht auf, auch wenn uns vorgestern einige eigenartige Gestalten an den Haustüren begegnet waren.

Dieses Mal war es noch schwieriger jemanden anzutreffen. Die meisten Häuser waren einfach nicht bewohnt. Als wir schon beschlossen hatten, unser Zelt auf irgendeiner öffentlichen Fläche aufzustellen, sahen wir Licht in einem ziemlich großen und noblen Haus.

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Wir klingelten an und waren überrascht, dass uns ein junger Typ in unserem Alter, die Tür öffnete. Fröhlich sagten wir unseren „Können-wir-bei-dir-zelten?“-Satz auf und ernteten ein schallendes Lachen, wurden aber eine Sekunde später reingebeten. Der Hausbewohner kam uns ziemlich seltsam vor, da er wie ein Wasserfall redete und teils eigenartige Grimassen dabei zog. Es stellte sich heraus, dass er Künstler, genauer gesagt Maler war. Denn er zeigte uns erst seine Bilder, bevor er uns in den Garten führte, während er ohne Punkt und Komma Katalanisch auf uns einredete. Später wechselte er auf Englisch, doch das ergab nicht viel mehr Sinn. Wir waren überrascht, dass wir nur normale Zigaretten auf dem Gartentisch liegen sahen. Wer hätte gedacht, dass solch ein simpler Wandertag so ein interessantes und auch anstrengendes Ende nehmen kann?!
Nachdem er uns an einen Tisch gebeten hatte, prasselten seine teils unzusammenhängenden Sätze nur so auf uns ein. Während Johan fieberhaft überlegte, wie wir das Grundstück verlassen könnten, fragte Nanni irgendwann unvermittelt, ob wir nicht duschen könnten. Der Künstler war einverstanden und so war der Redefluss gestoppt. Doch das hielt natürlich nicht lange an. Immerhin durften wir danach auch Nudeln in der Küche kochen. Um mal wieder sauber und satt in den Schlafsack zu schlüpfen, ließen wir den nächsten Wortschwall über uns ergehen.
Kurze Zeit später kam der Bruder des Künstlers nach Hause. Er schien „normal“ zu sein und war genervt vom Gerede seines Bruders. Er gab uns noch einige gute Tipps rund um Cadaques, wo wir in einige Tagen sein werden. Zwischendurch schaltete sich immer wieder der Künstler mit Kommentaren über seinen Großvater, Leben, Sterben, Kunst und Suizid ein. Irgendwann schafften wir es, in den Garten zu entfliehen, um dort unser Zelt aufzustellen und uns keine Worte mehr um die Ohren fliegen zu lassen.

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